Dienstag, 25. November 2008

Rückschritt

Persil Wackersteht nahm das Wort ins Maul und spie es wieder aus mit aller Abscheu und Widerwärtigkeit, die ihm als Hamburger Jong in die Wiege gelegt war: Rezession.

Wir, blickte er in die angestrengt gelangweilte Runde besserbetuchter Zuhörer, dürfen davor die Augen nicht verschließen und müssen das jetzt annehmen, das Schlimmste.

Kanon Silberling hat das - glaub' ich - mittlerweile verstanden. Kanon Silberling versucht das alles schon immer zu verstehen, die Sache mit der sozialen Marktwirtschaft. Das hat er auch lange, ganz lange gar nicht so schlecht gemacht.

Oftmals ist Kanon die Schritte mitgegangen, die ihn zu Haus und Auto, Urlaub am Meer und einem Besuch im Stadion am Wochenende geführt haben. Gut ist es ihm dabei gegangen. Er hat einen großen Zaun um sein Haus gezogen, weil es seines war und alles was seines war so gut wie möglich abgesichert. So gut es ging, mit Versicherungen fürs Leben, neugeboren wie alt geworden und ohne zu zögern hat er sich für all das Gute entschieden, was sozial war an seiner Marktwirtschaft.

Rezession.

Das Jammern ist ja nicht erlaubt. Eigentlich nicht, denn wie sagte schon Ho!spitz der Ältere: Außerhalb einer Gemeinschaft existiert Eigensinn bis zu dem Punkt wo er sich alle wieder gemein macht. Na ja oder so ähnlich jedenfalls, denn wir wollen Kanon schließlich nicht überfordern.

Dieses Unwetter, das Persil Wackersteht so donnernd über die vergilbten Zähne gebrochen hat, bringt ja etwas mit sich, das man verstehen könnte und das sich nicht an einem weiter wie bisher und Erhaltung des Meins ohne Rücksicht auf das Deins bezieht:

War das Ziel der sozialen Marktwirtschaft zigarrenziehender Prägung noch dass es allen immer etwas besser gehen sollte, hat es doch sehr dazu geführt, dass das eben nicht für alle galt und solange die Gruppe derer, die mittendrin und immer noch dabei waren nur groß genug blieb, war auch alles gut.

Rezession ist nicht nur ein Wort für Rückschritt. Rezession setzt auch ein Zeichen für Umkehr und mehr noch für Besinnung.

Aber dieselben Leute auf deren Prognosen und Vorhersagen sich Kanon und sogar Persil verlassen, dieselben Leute sollen mit Instrumenten herumwedeln und endoskopieren, was chirurgischer Praxis bedarf. Über diese Leute soll Kanon gerade aber mal nicht reden.

Er sollte sich besser fragen, ob es richtig ist, ad hoc Mlliarden aus dem All zu leiern und auf Gesines Schulpult tropft es bei Regen durch die Decke. Wenn das allein zwanghaft richtig ist, dass eine Wirtschaft Ihre Gesellschaft zu Boden trägt und alles Handeln um des freien wirtschaften willens handelt und nicht rund um und allein zum Wohl des Menschen und dessen gemeinen Willen, dann ist dieses System nicht richtig. Irgendwie.

Und wenn jetzt Persil sagt, bei uns ist das ja auch ganz anders, kommt Leverkühn Strauch über'n Teich und bringt seine Harke mit und macht alles gleich. Gleich asozial vom Andreasgraben bis zum Himalaya oder wo sie sonst noch die Fackel hintragen.

Kanon machte sich da noch lange keine Sorgen, denn für seine Enkelin Gesine gibt es Nachhilfe und alle Unterstützung bis sie es zum Gymnasium schaffte, zum Abitur schafft, hoffentlich! solange sie kein verrückter Schaffner im Wald aussetzt. Damit sie zum Rädchen innerhalb dieser Wirtschaft werden kann.

Was für 'n Dreckloch von Kneipe.

Rezession. Rückschritt. Aufbruch. Gesine, unsere Zukunft Gesine, ausgesetzt aus dem Zug, zwölfjährig, in dem alle mitfahren dürfen, die ein Ticket haben. Soziale Marktwirtschaft, Zigarren, Rezession.

Montag, 24. November 2008

Ein Stück weit Heimat

In einer abseitigen Ecke der ehemaligen Arbeiterkneipe und heutigen Raucherklubs, Gordies steiler Zahn sitzen Hans-Jürgen Blohm, Krisha Malenke und Roland Verroht gemeinsam an ihrem dunkelgebeizten abseitigen Ecktisch.

Hinterm Tresen steht Gordie und rollt beim Anzapfen eines frischen Hellen seine selbstgedrehte geschickt zwischen den Mundwinkeln hin und her, bis die Asche locker in die Spüle fällt, nicht ohne mit ein paar Krumen im Glas von Benno Krotz zu landen, der gelangweilt die kreisenden Scheiben am Spielautomaten Merkur rotieren lässt. Seine Augen haben der bunten Spirale nicht weniger als süchtige Gier entgegenzusetzen. Klar wer dabei am Ende immer gewinnt.

Es ist 17:30 und Gordies steiler Zahn schleppt drei frische Helle unter ihrem drallen Balkon zu den drei Männern an dem abseitigen Tisch in eben dieser Ecke. Ihr türkisfarbener Nylonpulli spannt sich um ihre Oberweite und lässt in einen ausgeleierten V-Ausschnitt tief blicken. Der Zahn hat schon etwas Plaque angesetzt, besticht ansonsten aber durch die Art Weiblichkeit, die Männer sich nur halbseiden zwischen allerlei Nebel und Rauch wünschen. Dann aber umso heftiger.

Es gibt etwas zu feiern. Die Runde frischgezapfter klingt von der Ecke durch den Schankraum mit dem langen Tresen, der Musikbox, den 3 großen Runden Tischen und dem blinkenden Kasten in den Benno seit 2002 sogar Scheine schiebe kann; gibt ja keine Heiermänner mehr.

Jedes jahr vor Weihnachten treffen sie sich, Blohm, Malenke und Verroht.

Früher waren sie mehr, da war der Laden voll. Sie kamen an jedem 23.12. seit sie Abitur gemacht haben und nannten das Saufen in den Heiligen Abend. Da war noch der Schäfer dabei, dessen Bruder kürzlich erst auf seiner Honda in eine Eiche geknallt ist. Der Lobatsch, der immer nicht rauchen durfte und für den immer die Gitanes Mais waren. Da gab es den Harry, Harry Schlimmer der sich bekennend von seiner Freundin auspeitschen ließ. Na ja zumindest war das immer das Gerücht und damit eigentlich fast schon Wahrheit. Trostja Deichbauer der jedem Kerl am Tresen noch eine Runde aus dem Portemonaie leiern konnte und Bille Brüskens.

Auf Bille geht die erste Runde in Gedenken, immer. Über Bille - heute mit 3 Kindern gesegnet und in Diplomatenkreisen unterwegs gibt es immer die Geschichte mit dem Tanzen, nackt auf dem Tisch, dem großen in der Mitte. Nackt, wie es für Halbstarke nackt ist, also mit Slip und BH bis fast zu Schluss auf diesen Stöckelschuhen, die zur Ihr passten wie der Diplomatenprotz aus Südamerika. In Zeiten von Handys und Digitalkameras wäre das heute selbst unter besten Freunden unvorstellbar. Auf Bille.

Mit Schäfers Bruder war hart. Aber so ist man nunmal gesotten und dieses eine Mal im Jahr ist dieses Wiedersehen von Strandgut einzigartig und einmalig und da gedenkt man auch der Toten mit einem zuprostenden Zauber der sie wieder lebendig macht.

Wo mögen sie nur alle geblieben sein. Die Geheinnisse, die das Internet lüftet, werden wohl alle Lokalisten-Wahrheit sein.

Doch es gibt was zu feiern an diesem wie jedem 23.12. Das Stück Heimat, an das man sich halten kann, wenn man wollte. Würdest du kommen, du würdest sie sitzen sehen. Jetzt natürlich mit ihren teuren Uhren und blanken Schuhen und der Kohle, die sie nicht mehr einfach so aus der Tasche ziehen.

In den ersten Jahren kamen sie noch alle zu Weihnachten nach Hause. Und die angehenden Akademiker fanden es schick, die verruchteste Kneipe der Stadt auszuwählen. Nicht so einen Schicki-Micki-Schuppen. Gordies steiler Zahn war Trostjas Idee. Und das funktionierte die ersten Jahre wirklich gut.

Irgendwann wurden es aber immer weniger, bis am Schluss so seit 15 Jahren nur noch die alte Garde zusammensitzt. Die letzten die noch kommen, leben längst auch woanders, verdienen ihr Geld, sind gestrandet, über den Sand gekrabbelt und haben sich ein Stück Insel gesucht und gefunden.

Doch ein Stück Heimat. Bewahrt und ernst genommen. Wünscht man sich manchmal mehr und öfter und überall.

Mittwoch, 19. November 2008

Ohne Noten

Trostja Deichbauer schrieb seine letzte Hausarbeit am 04.02.1995 zu dem - seit dem 28.10.1994 feststehenden Abgabetermin 04.02.1995.

Diese Hausarbeit, seine letzte, betrachtete die entstehenden Präsidialdemokratien Osteuropas empirisch! denn es war sein Empirie Schein, den er anstatt eines Statistik Scheines einbringen konnte.

Sicherlich halten es ungefähr 80 Pozent aller Studenten, 0 Prozent aller Professoren und 100 Prozent aller Heinrichmännerschischer Untertanen für unmöglich binnen 3 Stunden eine Einser Hausarbeit abzuliefern.

Diese 12 Seiten waren zweifellos Trostjas Meisterstück.

Was man dafür brauchte war das auftstrebende Werk des frühgraduierten Dozenten, eine ambitionierte Literaturliste, die aktueller war als die tatsächlichen Druckwerke und eine Gliederung, die dem mindestens nochmehr ambitionierten Dozenten jedwede Arbeit abnahm.

Während angehend-C3-Prof-O das Ganze also nicht lesen brauchte, genügte es, sich an demselbem 04.02. 6 Stunden nach Abgabe auf ein Bier im Kaiser zu treffen, um das Ganze gleich mal durchzusprechen. Das macht gerade dann Sinn, wenn das Thema noch frisch ist, weil man ja da noch weiß wovon man redet, auch und gerade wenn man berücksichtigt, was Akademiker so saufen können.

Somit sei gesagt, dass es - geht es um Else und Gesine (s. Blog 18.11.) - genug Verfehlungen, Schwächen und Mitnehmermentalität gibt.

Trotzdem hat Trostja Deichbauer sich was verdient und schreibt heute zwischendurch sogar ins Interet, was ihm so durch den Kopf geht. Wahnsinn.

Wenn also der Feuerwehrmann in Kalifornien, der Bauer Wang Li, Else und Gesine angemessen betrachtet werden sollen, dann braucht es schon ein Konzept.

Trostja's lieben Kollegen Freihanns Gernfried sei an dieser Stelle nur noch gesagt, ein Studium machst oder machst es net. Eine Last ist es aber nie und wenn du an diesem Wochenende deine letzte Hausarbeit schreibst, dann machst halt a bisserl Theater und a bisserl Musik. Und stellst dem Seitenblätterer korrekte Form und nachvollziehbare Struktur hin. Passt. Oder meinst, der will Sonntags noch lesen, was du mein lieber Gernfried gerade mal für 6 Wochen behalten musst, bevor du dich endgültig dem Geldverdienen zuwenden kannst?

Dienstag, 18. November 2008

Außerhalb

Als Mensch -nicht mehr, der ich täglich verschiedene Zeitungen lese, agiere, argumentiere und mir Gedanken mache; als jemand, der nicht jedermanns Freund ist und nicht ohne Freunde, stehe ich auf - ohne jemals richtig aufzustehen -, jeden Morgen und nehme die Fernbedienung in die Hand.

Das Bild ist groß genug, um einen Eindruck von der Welt zu vermitteln, von den Konferenzen und den Katastrophen, den neuen Gesetzen und gesellschaftlichen Anlässen, von einem der Oscar heißt und einer die sich Emmy nennt.

Wenn es in Kalfornien brennt, sehe ich die verschwitzten Feuerwehrleute, wie sie dieser Walze hilflos gegenüber stehen und alles geben um sie zu stoppen. Regnet es andernorts, dann sehe ich die ausgezehrten Leiber, die um noch mehr kämpfen als ein paar versicherte Häuser.

Ein Sturm über Kuba ist uns mitunter näher, als Else Sparstrumpf, von der Meyerhoferstrasse. Die Kinder vom Bauern Wang Li erregen unser Mitleid und hier sucht Gesine Schmidtlein - ohne Fahrschein aus dem Zug geworfen - ihren Weg durch die Dunkelheit.

Außerhalb sieht man sich das Leid leichter. Es ist ja nicht ein Leid, dass wir an unserem eigenen Fleisch fühlen. Es rührt nur unsere Herzen.Es ist so eine Art Madonna-Senegal-Leid.

Weil es da rührt wo uns die Valentins-Industrie am verletztlichsten hält, wird es bald wieder die Spendengalas und Anlässe geben. Nicht für Else und Gesine, nicht für die.

Ich will das mal ein paar Beiträge lang erklären, was man tut, wenn man den Fernseher einschaltet. Wenn man sich de Kanal nach außerhalb einstellt und was passiert, wenn man die Fragen an unsere Gesellschaft und unsere Welt auf Bauer Wang Li, den Kalifornischen Feuerwehrmann oder den Kubanischen Plantagenarbeiter abbildet.

Aber für heute stehen wir außerhalb und wundern uns, wie es sein kann, dass Gesine Schmidtlein zwölfjährig und ohne Fahrschein nicht mit dem Zug nach Hause fahren kann. Macht betroffen, aber gäb ich der Göre 4 Euro für's Ticket?

Das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Montag, 17. November 2008

Die Psychologie eines Spiels

Da mich einige gefragt haben, schreibe ich es gern auch einmal auf, wie es war mit diesem Spiel. Gladbach gegen Bayern.

Das Spiel begann, wie immer am Freitag. Frau Antje stopfte eine Leberkassemmel und ich labermentierte, ein Tegernseeer leicht schräg haltend, über Nick Hornby. Jenen Nick Hornby, der mit Fever Pitch, die einmalige Biographie eines Fans geschrieben hat. Mag sein, dass Tony Adams sein eigenes Leben so einegrichtet hat, dass seine Autobiographie noch besser ist. Was Wunder, war er doch immer dabei. Auch beim einzigen Sieg einer Deutschen Mannschaft bei Arsenal, 3:1, Borussia Mönchengladbach, drei Tore Juskowiak.

Jedenfalls sagte ich zu meiner leberkasstopfenden Frau, ein Fever Pitch Spiel. Ein Fever Pitch Spiel ist ziemlich einfach. Die andern sind bessser, der Schiri ist nicht gerade für dich und irgendwann steht's zweinull für die andern und dein bester Stürmer liegt irgendwo, nur nicht elfmeterreif im Strafraum. In einem Fever Pitch Spiel gibt es also nichts, was darauf hin deutet, dass heute noch etwas besonderes passiert. Gegen Bayern München sollte man das nicht gerade erwarten, nach 5 Siegen dieser Fussballmonster in Serie und mit allen an Bord.

Fever Pitch Spiele sind selten, extrem selten. Deutschland versus Frankreich '82 war ein Fever Pitch Spiel, Anderlecht gegen Werder in der Championsleague '95 war genau so ein Fever Pitch Spiel.

Gladbach gegen Bayern wurde ein Fever Pitch Spiel, auch wenn - ich gebe es gerne zu - am Ende kein Sieg für Borussia stand, zumindest nicht in der Tabelle.

Borussia begann stark. Ja, Ihr Kolumnisten! Borussia begann stark und der Ball lief insbesondere auf Rechts schnell und kontrolliert über die ein oder andere Station. Wenn man plötzlich van Bommel, Ze Roberto, Lucio und Demichelis wie ein Rudel arroganter Hipp Hopper vor sich hat, läuft nun mal nicht jeder Pass.

Tobias (Levels, weiterhin nur Tobias) spielt fast im 1 gegen 1 auf Ribery. Anfangs engagiert mit zwei guten Tacklings aber mit zunehmendem Spielverlauf ohne Chance, aber: Fever Pitch! engagiert, von Anfang an.

Die Axt spielt links. Steve Gohouri (weiterhin nur die Axt) nimmt jeden Ball und jeden Mann, von Anfang an und wär er Deutscher, wär es mir um unsere Innenverteidigung nicht so bange. Er macht ein großartiges Spiel und ich danke Schiri Weiner (im Folgenden nur Weiner), dass er 92 Minuten auf dem Platz bleiben darf. Fever Pitch.

Pilipp Daems ist Belgier. Veretzt über den letzten Abstieg ist dieser Typ der wichtigste Mann auf dem Platz. Deshalb hat er wohl auch keinen Spitznamen. Aber ich schweife ab und lass Rouel Brouwers als nicht bundesligatauglich aus.

Die Abwehr ist so wichtig in diesem Spiel und die Spinne (Gal Albermann, fürderhin und weiterhinn die Spinne), Patrick Pauwee ( gesprochen Pau und ich weiß es aus erster Hand von einem Feyenoord Fan), machen gemeinsam mit Bradley den Block zu und die Bayern haben keine Chance.

Aber sie haben Philipp Lahm, die Russen haben da noch einen, dessen Name mir grad nicht einfällt. Vielleicht ist der auf der Welt besser, genauso gut, eher schlechter. Lahm ist auf Links unglaublich stark und zieht Bradley und Tobias kreuz und quer mit sich und bringt die kurze Flanke und Toni, Luca Toni macht das Tor. 21. Minute. Fever Pitch.

Es war selbstverständlich und fraglos, wie die Bayern Ihre Führung abliefern und das Weiner ihnen einen Elfmeter versagt absolut ungewohnt für die Geschichte, die Bosussia und Weiner miteinander haben.

Nach der Halbzeit fängt Fever Pitch an und zwar mit einem, der am Ende des Tages nicht in de Zeitung steht. Der mehr durch seine Haarpracht auf sich aufmerksam macht, dabei ist sein Spiel zu beachten.

Johannes van den Bergh, hat auf Links eine Menge initialisiert und die Bayern rüber gezogen. Immer wieder hat er Marin ( auf alle Ewigkeit nur Markus Marin) überlaufen, sich immer wieder angeboten und Gladbachs Giftpfeil angespornt und die Anspielstation gegeben, die Markus brauchte.

Wir sind immer noch im Anrollen und Gladbach rollte schon jetzt auf die Bayern zu, dass wussten die bloss nicht und waren selbst stets gefährlich.

Die Axt, mittlerweile im Zentrum nahm eine Reihe von Bällen herunter, inklusive von Ribery. Das war ein Elfmeter und wenn er einfach die Axt umkurvt hätte, hätte der es trotzdem gemacht, also das Tor. Ribery war stark. Das muss man im Kopf behalten bei allem was gleich noch folgt. Ribery war stark und versenkt den Elfer, Gospodarek verladend ins rechte Eck oder ins Linke? Tor Bayern 2:0 Spiel durch.

Als Gladbach Fan denkst du jetzt ok. ok. Scheiße, wir haben alles versucht. Du denkst, ok und fällst in deinen Sessel zurück und in diesem Moment weißt du, die Bayern sind zu stark und du verlierst hier aufopferungsvoll und am Ende ohne Chance.

Und dann kommt - mir kommen immer noch die Tränen - dann kommt Fever Pitch.

Im Münchener Block hat man nichts als Schmähgesänge für einen alten Rivalen übrig, der längst kein Gegner mehr ist und dessen Spieler wohl kaum mehr wissen, was es heißt, für Borussia zu spielen.

Ze Roberto spielt den Ball seitenverkehrt mit der Hacke am Standbein vorbei und Ribery vernascht Tobias, Übersteiger, Hacke, Spitze und..kein Tor. Toni hat die Chance, spielt nicht den Klose an, sondern versemmelt und Klose und Schweinsteiger gehen, Lahm war auch schon raus und Gladbach holt hier ne Ecke und da ne Ecke und die Jungs hören einfach nicht auf zu laufen.

Van den Bergh nicht, Markus nicht, Baumjohann, nicht und Bradley auch nicht.

Und die Nordkurve steht, singt! 0:2 hinten: Denn wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein. Und geht das Spiel auch mal verlor'n, dann macht uns das gar nichts aus, denn dann fahren wir zum Auswärtsspiel und machen einen drauf.

Ich bin Fan, seid ich Fussball lebe und heule wie ein Schlosshund und wir werden verlieren und es gibt nichts, was uns rettet. Doch es gibt diesen Moment der Gemeinsamkeit, kein Bayern Fan kann solche Momente je erleben, dafür ist die Mannschaft zu gut. Getafe? da reden sie an der Säbener in 20 Jahren noch davon in Bremen, Kaiserslautern oder Gladbach weisst du nicht mit welchem Spiel du anfangen sollst. Egal.

Fever Pitch.

Es gibt keinen Sonnenstrahl und keinen Fingerzeig und wirklich nichts außer Markus beim Eckstoß und den Außenrist von Baumjohann und den Schädel vom Friend. Der hat sich aufgerieben, alles gegeben, allein gegen Lucio und Demichelis und dann musst du, musst du den Spielern in die Augen schauen, in die Augen von Kalle Rummenigge, der die Kugel aus dem Netz der Franzosen holt, in die Augen von Wynton Rufer, der die Kugel aus dem Netz der Belgier holt. Du musst ihnen in die Augen schauen, sonst verstehst du Fever Pitch nicht.

Michael Bradley holt diese Kugel und Philipp Daems ballt die Faust und die ganze Mannschat ist in einer Rückwärtsbewegung und jeder will den Anstoss und das Stadion steht und keiner glaubt, jeder sagt: Gott sei Dank nicht abgeschossen, ehrenhaft. Minute 81.

Fever Pitch. Die Augen, in diesem Moment, wo du wie der Schakal eine Chance witterst an die Beute zu kommen, sind einmalig und in diesen Mommenten schauen sie immer gleich. Sie glänzen voller Zuversicht, funkeln willig, rollen mit aller Kraft und für drei Minuten hat meine Borussia, meine kleine Borussia, die Bayern zerquetscht.

Mit dem Ergebnis einer Spielertraube, alle übereinder, jubelnde Fans, alle durcheinander und Fever Pitch. So etwas von unmöglich, wie es nur der Fussball wahr machen kann, für einen kurzen Augenblick, den kleinen Traum und die Flucht vom Alltag, das bißchen Sehnsucht und die Melodie auf den Lippen, leise und ohne Überheblichkeit eine Borussia! es gibt nur eine Borussia.

Montag, 10. November 2008

09.11.08

Es ist noch gar nicht so lange her, vielleicht 5 Jahre, da warb die Deutsche Bank mit einem wunderbar genialen Werbespruch:

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Selbst demjenigen, der vielleicht Gott für den Anfang hält, die Geburt für den Anfang hält, Paul Mc Cartney für den Anfang hält, selbst demjenigen ist klar und deutlich, dass dieser Slogan einfach und genial war. Eine Einladung an alle, die etwas schenken wollten, ihr Vertrauen. Eine Opfergabe, die man sich üblicherweise erst verdienen muss und nicht als Vorschusszins erhält.

Wo dieser Spruch gelieben ist? Da wo die Beraterbank geblieben ist, da wo ein unabhängiger Finanzdienstleister geblieben ist, der seinen erklärenden Berater zu Schnecki und Doof geschickt hat, um den beiden die moderne Welt auszumalen, während Schnecki dem Doof am Hosenbund schubbert und ja, wo sind die geblieben, die die Kosten für's Girokonto einfach streichen, während andere das vor 4 Jahren schon getan haben?

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Deshalb ist es notwendig, dass Banken, Landesbanken zudem, ihrer öffentlichen Wirksamkeit gerecht werden. Was sich anhört wie ein Schnupfen, ist die Hamburgische Landesbank, die dem Volksparkstadion gerade als Dachkonstruktion dient und damit Mad-in-Petric finanziert. Von welchem Geld? Nun, sicher nicht von dem Geld, das die Herren Vorstände, sich vom Staat abholen, um Arbeit und Gesellschaft zu sichern. Doch nicht von genau dem Geld, dass die Planwirtschaftlerin im Kanzleramt so burschikos leichtfertig und ohne Sicherheiten herausschleudern will.

Vertrauen ist der Anfang von allem und - das Ende.

Denn vertraut haben wir Ihnen ja. Mit der Nase gerümpft okay, aber bitte, in unserem Land ist Eichmann geboren und einer wie Göring ward Himmelsstürmer statt Meier, da ist es kaum verwunderlich, dass man sich die Geschichte erstmal anschaut, bevor man sich ein Urteil bildet und selbst wenn man eines hat, immer schön den Ball flach hält.

Da braucht es selbst vor Gericht etwas länger, schaut man sich die Mannesmänner an, die voller Stolz und nach bestem Wissen und Gewissen, Ihren Konzern, der sie groß gemacht und ernährt hat, verschachert haben, meistbietend. Ob sich da einer bereichert hat?

Aber nicht doch, denn Vertrauen ist der Anfang von allem und während ein Zumwinkel, eben nicht gerade da sitzt, sondern eher in der Sonne bei Reith Im, muss man sich da einen Kopf machen, dass dieser Mann ein Kandidat für Höheres war und von Pierer, Bundespräsident in Spe? Sommer? alles Schwalben, Einzelfälle die gewiß keinen Sommer machen? Wirklich alles Einzefälle, bespitzeln, verkuppeln, bestechen?

Hoch gestapelt hat so manch feiste Größe der Republik und was bedeuten ihnen Volk und Vaterland? Sind das noch Deutsche oder längst globalisierte Mitesser?

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Da muss sich jetzt kein Wulff und kein Sinn in den Ring stellen und diesen Leuten das Mitleid reden.
Sie werden das Tausenjährige im Kopf gehabt haben und wissen bei ihrem guten Willen, den sie fraglos erklären wollten, dass es Pogrome weit länger als diese 1000 Jahre gab und gibt. Aber gegen Nieten in Nadelstreifen? Das Buch wurde vor mehr als einem Jarzehnt geschrieben!

Doch daran werden diese Leute nicht scheitern. Eher schon an den prall gefüllten Tischen an denen sie zu dinieren gewohnt sind, um ein paar Krumen vom Kuchen für Ihre Unterdemokraten von den Großaktionären zu erbetteln. Nur die Ruhe halten, ein bißchen Wahl für jedermann und für den Rest, für die Träume, gibt es ja Lotto, die Arbeit reicht dafür nicht mehr.

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Ich glaube jedem dieser Menschen, dass sie hart gearbeitet haben, überstundenlang, ihre Familien vernachlässigt haben, dass sie alles gegeben haben. Das ist so. Das sieht man ihnen an. Macht sie das zu guten Menschen, wenn man das Ergebnis sieht?

Vertrauen schenkt Verantwortung und an diese Leute war das fehl getan. Das hat nichts mit Pogromstimmung sondern viel mehr mit "sagen wie es ist" zu tun. Was muss man denn jemanden noch über den Topf halten, der die Ganze Soße angerührt hat und warum diesen noch einen Funken Zutrauen geben, die nicht beizeiten mal ein Wort, nur eine Silbe gesagt haben. Die IKB schifft ja nicht erst seid gestern gegen de Wind.

Nein, Pogromstimmung ist anders. Dieser Kamarilla wird man niemals beikommen. Denn sie haben genug Geld aus uns gesaugt, dass sie sich die besten Verteidiger leisten können, einen Anwalt werden sie nur unter ihresgleichen finden. Für Propaganda und Bestechung wird es sicher langen.

In dieser Situation und vor dieser Wahrheit muss ein angehender Bundeskanzler nicht der Erste sein, der zur Hilfe springt. Es sei denn, er hatte ein paar VW-Aktien parat, deren Verkauf ihm eine hübsche Villa im Zooviertel neben Gerhard sichern.

Vertrauen ist der Anfang von allem.

Montag, 3. November 2008

Spasseshalber ungewohnt

Am Ende eines langen Tages landet Gerald Wesestütz bei Motörhead.

Er besteigt diesen Flieger, den er für kleines Geld eisgekühlt aus seinem Kühlschrank holt und dessen edles Gemüt schon durch den Namen seines Korkens für Allemann deutlich wird. Selbst für seinen Freund Peiten Zumtanz, ja auch für den.

Der Kronenkorken fliegt umso schöner, setzt man das Feuersteinstilett in einem 30 Gradwinkel unterhalb des zackigen Suchttrotzers auf ein Stück Handrücken gestützt an und drückt, nicht kräftig aber gekonnt den Hebel.

Das klingelnde Klickern auf kalt kachelnden Fliesen kündigt das Stück Vergnügen des kommenden Schlucks schon an und noch bevor es verklungen ist setzt sich der Hals am Halse fort.

Mann fragt sich, ob dies nötig ist und kommt zu dem einzigen qualifizierten Schluss, ja.

Welch anderer Gedanke sollte einem bei dem Wesen Helles denn sonst in den Kopf kommen.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Grosunix Widsolat

Bruder Sinn.

Hört sich erstmal gut an. Daraus könnte man ein Stück Rosamunde Pilcher machen oder Hera Lind wenn man's gerne schwanztoll hat.

Dabei ist da gar nichts toll. Als gebildeter Mensch, es gab diese mal und gibt sie vielleicht noch, als gebildeter Mensch jedenfalls macht man sich so seine Gedanken und ist sich plötzlich einer Tatsache bewußt: Man ist - und ich flüstere das leise und ganz sittsam - in der Hand der BWLer.

Dieses Volk - ich mag es erklären - tauchte irgendwann anfang der 70er Jahre an den Hochschulen unseres Landes auf und vereinigte sich kopzahlenmäßig zu Fachbereichen, die die eigentlichen, wahrhaftigen, ehrlichen und gesellschaftstragenden Wissenschaften!, Philosophie, gibt es noch eine andere, man mag Sinne(en)Geschichte (Sic!), bei weitem übertrafen.

Diese Menschen, Studierende, gerade dem Konfirmatiohnsanzug entwachsen, studierten dieses BWL nicht, um der Gesellschaft zum Nutzen zu sein, sondern um sich selbst zu Nutzen zu sein. Beriebswirtschaftslehre ist ein Selbstbedienungsladen an den Schwächen der Unveranlagten und darin sind all jene zu sehen, die nicht auf den kapitalistischen Zug der unersättlichen aufspringen wollen oder können.

In der politischen Theorie und Ideengeschichte gibt es viele Heilslehren und manche Lehre die weh tut, aber am Ende Heil verspricht. Der BWLer hätte daran lernen und teilhaben können, doch hindert sein Erfolg und seine Abgehobenheit ihn daran an Urdisziplinen der Wissenschaft, am Kern unseres Wesens und Seins überhaupt teilhaben zu wollen geschweige denn zu können.
Sein Streben dient dem Profit und wird sein allbeherrschendes Wesen und des Wesens Zweck. Für alles andere ist er blind und dumm. Das ist keine Beschimpfung, es ist eine Behauptung!

Wenn dann einer dieser Vögel kommt und ein wenig Dialektik betreiben mag in einem kurzen und von mir aus auch unerzogenen Disput, warum nicht! Doch er wird es nicht tun, denn es bringt keinen Gewinn. Also warum nachdenken!

Ihn, den BWLer, muss man nicht erhöhen indem man ihn in die Nähe menschenverzehrender Totalitarismen rückt. Dahin gehört er nicht, denn in seinem ureigensten Egoismus und der ausschließlich auf ihn selbst gerichten Erfolgswarnung ist er nur sich selbst der Nächste. Das kann ihm niemand austreiben, weder im Grünen noch im Roten, Schwarz sieht er nicht und wäre er Gelb, dann wäre er lange nicht bei der Post.

Wir Menschen, die wir arbeiten und unseren Beitrag leisten, die wir die Gesellschaft als Ganzes tragen, die wir einfach sind und an das Einfache glauben, leben unterhalb dieser Leute, die der Meinung waren in Zeiten ohne Geschichte und ohne Angst, abseits des Denkens einen Markt zu erhöhen, der selbst dem einfachsten Gemüt noch ein bißchen Wohlstand sichert ohne das dieses Gemüt bemerkt, wie diese rückgratlosen Wesen ihn, das Höchste, das Individuum, die Schöpfung auspressen und es ohne zu zögern vernichten, wenn es seinen Nutzen verliert.

Jetzt steht er da, der BWler und ruft nach der Gesellschaft und dabei - ich persönlich bedaure es zutiefst - steht er nicht mal an der Wand. Was für harmlose Zeiten.

135,2 Kilo

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