Okay, als Friedbert Lodenpflug am 08. Juni 2008 vor der Bushaltestelle Heide-Süd/Speckenstieg über einen knüllgerollten Artikel der Boulevardzeitung "Bild" stolperte, war es sicher nicht - ganz bestimmt nicht in Ordnung - dass er bei der verhackstückten Schlagzeile "-Krieg" an seine letzte Landpartie auf dem Kunstleder Hocker eines mausgrauen Kübelwagens dachte...
Es war ein sonniger Tag. Sonntag zwar und schon deshalb eigentlich dem Trinken vorbehalten, wenn man schon einmal die Gelegeneheit hatte - fernab der Heimat - unversehrt getrennt von Weib und Blag, die Köstlichkeiten fremdländischer Keller aufopfer zu können.
Die Leute hier hatten zwischen Kartoffeln und Weizen weit weniger zu bieten als die heimischen Krüge und das Schlimmste! das Zeug, was ihre unfrommen Nachbarn im Osten "Wasser des Lebens" nannten, war hier im Dunkeln genauso reichlich gelagert, getrunken und abgestanden, dass es einfach dazu einlud schnell weiterzuziehen.
Dieser Sonntag aber - Hans Wadenstieg und Willem Klos demontierten gerade die Glocke der Dorfkirche - war nebenbei.
Rollt da nicht plötzlich einer von den angstzertrotzten Pferdereitern so nen Lederball aus französischer Produktion in die Mitte von dem Dorfplatz gerade dorthin, wo man wohl früher die "schlechte Loid" an die Kette gelegt hat.
Der Pfannengieß nimmt die Hülse direkt mit der Spitze auf und kloppt den Ball mit seinen Stiefelbecher voll an die Stirnwand von der Dorfschenke von wo das Leder schrägwinkelig abprallt, um an der Brust vom stieseligen Hauptmann abrupt zu stoppen und mit einem "Humpf" zu Boden zu schnellen - Ball und Hauptmann.
Pfannengieß war mal rechter Läufer bei Bernstein Möllendorf und wollte eigentlich irgendwann mal im Ruhrgebiet Kohle aus dem Berg fahren und für Schalke spielen. Hat einen Huf wie ein Pferd und schon in der Jugend mit neiner strammen Klebe dem Gunter Müller 2 Zähne weggeschossen, ganz ohne Knarre, echt!
Jedenfalls, wir stehen da so inne masurischen Sonne, 11 Mann, zusätzlich zwei aufen Kirchturm und der Hauptmann steißend im Dreck und mitten aufem Dorfanger liegt das runde Ding aus Lederfransen.
Die wollen doch nur spielen, ruf ich, Lodenpflug, den Hauptmann, Schlachtermeister war er, noch hinterher.
Fakt, ist nun und bis heute, dass wir damals nicht gespielt haben. Wadenstieg und Klos ließen noch die Glocke von Turm und dann sind wir ab mit unsere drei Kübelwagen. Den Ball haben wir mitgenommen. Er wurde unser Maskottchen für eine andere Art des Reisens.
fohlenelf11 - 7. Jun, 15:10
Ich hatte einen dieser Tage, die ich als glücklich bezeichne.
Nicht weil Frau Ach mit ihrem Zahnverschmelzer lang und breit zwischen Zahnhals, Fleisch und Schmelz hantiert hat. Prophylaxe, 103 Euro, Besserverdiener, Bayern, Ich. Nein, mein Bedürfnis an Schmerz ist spätestens seit dem Tag gestillt als ich die Idee hatte Kind zu sein.
Andernorts werden einem Dinge wiederfahren, die ein Lächeln machen und hier wirst du aufpassen, das niemand sich schlecht fühlt, der dies liest, wofür auch. Prost Vaddern!
Neuerdings und im Stern im Spiegel umso mehr steht sowas, heiß es ja, dass Kinder etwas besonderes sind und vor allem Kind.
Ich hätte da und genau zu diesem Thema wirklich etwas zu sagen, weil mich das ziemlich sauer macht. Sauer nicht im Sinne von etwas wegzuschmeißen, denn das ist passiert irgendwo zwischen...keine Polemik.
Ich hatte da diesen Tag. Den vergess ich nie. Der muss ungefähr so schlimm gewesen sein, als ich dein Auto gegen eine Wand gesetzt habe oder den Besen beim Fegen der Straße abgebrochen hab.
Ich hatte an diesem Tag die wahnwitzige Idee, euch zu erzählen, wie es mit mir ging, im Leben und überhaupt. Ich weiß, ich wohnte nicht mehr bei euch, denn ich hatte ja das Auto kaputt gemacht und ich wolte euch nicht damit belasten, dass ich jeden Tag da war mit dieser großen Schuld.
Meine Idee war zu erzählen, dass es mir nicht gut ging. An diesem Tag und ner Menge Tage davor, aber ich hatte es geschafft, zu verstehen und es ging wieder aufwärts. Deshalb hatte ich gedacht, dass ihr vielleicht Wissen wolltet. Wissen ist Macht, müsst ihr wissen. Deshalb hab ich auch einen Hochschulabschluss, auch wenn ihr das vielleicht nicht mehr wisst.
Aber es hat nichts und niermanden interessiert. Selbstvergessen habt ihr da gesessen. Und niemals mehr erwarte ich Milch und Brot und nichts von euch. Mit Geld könnt ihr mich nicht aufwiegen, so fett bin ich vor Gram. Ihr müsstet euch beharren und daran denken, dass Worte mehr und schöner sind, für ein Kind.
Heute wollt ihr wissen, warum ich bin, wie ich bin. Um euch zu schonen, kann ich nichts davon berichten. Außer das ich glücklich bin. Soviel habt ihr getan, ich danke euch dafür und lieb euch allezeit.
Genug ist das nie.
fohlenelf11 - 30. Mai, 20:58
Ok, sie haben noch niemals getrunken, dann fehlt ihnen in diesem Sinne auch nichts. Im Falle dessen, dass sie ungetrunken sind, bleiben sie es besser, auch wenn sie eines Tages verdursten.
Denn tatsächlich, es gibt in dieser fatherfuckin'n Welt Leute, denen das Trinken - und ich meine nicht Wasser - abgeht. Mag Gott denen helfen?
Ich denke nicht, denn diese Welt gehört den Nichttrinkern. Schade nur, dass ich trinke und dass ich jeden Tag einen Millimeter mehr auf meine Arme lege. Und es kommt der Tag...es kommt der Tag...
Denn es staut sich mit jedem Bier, was kein Politiker und keine Mutter und nobody else ermessen kann. Und irgendwann, wenn es egal ist und nichts mehr anderes wichtig ist explodiert...
Wenn der Kasten Bier 20 Euro kostet und Borussia nicht übertragen wird, dann schaue ich nach Demagogen und einem Verführer, der mir die Nacht erklärt. Sagt man nicht auch nüchtern betrachtet?
fohlenelf11 - 24. Apr, 19:23
Offizieller Aufruf des Bundes freier Segler und Fischer für ein separeetes Ostholstein (BfSuFfesO)
Männer, Fischer, Segler!
Ihr seid frei. Frei zu tun und lassen was ihr wollt.
Wie es Euch gefällt. Als Mann steht ihr quer über dem Weibe und nackt nur vor Gott wie er euch seinem Bilde bürtig geschaffen hat.
So fahren wir zur See und tun seid Jahrhunderten zwischen Trunk und Garn immer weiterfahr'n.
Nur wenn's ums kacken geht, da legt man euch Steine in den Weg!
Lasst nicht zu, dass ihr Männer, ihr Fischer, ihr Segler weiter zurückgedrängt werdet, vertrieben aus dem Biotop der letzten Ölung, dort wo der Playboy lacht und zwischen dicken Brüsten und tangierten Schritten eure Jungenträume erwachsen sind.
Zum ersten Mal fühlen wir uns gedemütigt und drangsaliert! Spürt ihr nicht auch, wie man hier an euer Innerstes will und euch noch das Letzte nimmt, was bleibt, wenn Weib und Kinder unaufhörlich fordern und schrein!
Wir, der BfSuFfesO dürfen nicht zulassen, dass weiter solches geschieht. Und so fordere ich euch auf, nehmet den ersten Stein und schleudert ihn den blasphemischsten unter den blasphemischen Blasphemisten entgegen. Denn wenn unsereinem, die wir schaffen, raffen und gaffen, kurz denen die wir Männer sind und wertiger als jede noch so beleckte Rippe unvollkommener Rezeptur versucht wird das letzte zu nehmen, spätestens dann müssen wir uns erheben von unserem Throne!
Wider diesen die uns trachten, uns zu maschinen und Geldbewertern machten, diesen wollen wir sagen: Es gibt noch einen Punkt an dem zu rühren es uns traut und unser Verstand und Sinn, der Zweck am Leben sich erbaut.
Für ein gesittetes Kacken und weg mit diesen Steinen.
Jörg
Diesem Wort muss man hinzufügen, dass es Arbeitsorte gibt, die dem Kacken wenig Respekt entgegen bringen. Den Rest bildest du dir selbst.
fohlenelf11 - 24. Apr, 19:21
Es ist Montag, 19:04, die Nudeln verbrennen in der Pfanne, er hat noch kein Trikot an.
Sie, Antje M., liegt da unschuldig und unvergoren, während der Alte schon den vierten Halben am Hals hat.
Seine Muskeln zucken unkontrolliert, Heavy Metal dröhnt kopfhörergedämpft durch seinen Schädel.
Derby.
Keine Championsleague und kein Uefa-Pokal, überhaupt kein Pokal und eigentlich auch keine Würdige Liga. Und was wir alles gesehen haben: Schalke versteckt sich gegen Barcelona, Bayern verpisst sich gegen Getafe, Leverkusen vergisst sich gegen Zenit, Werder verbessert sich gegen Hertha und letztlich war diese Woche Fussball so dermaßen Scheiße, dass nach all den Spielen und Arsenal gegen Liverpool war eins der besseren, nur noch eins fehlt, vor der Championsleague.
Derby.
Borussia vs. Cologne. 2. Liga und wem dabei nicht das Herz in die Hose rutscht hat vergessen, was Fußball ist.
Leidenschaft und Liebe.
Derby, heute abend am Bildschirm und mit Antje M.
fohlenelf11 - 7. Apr, 19:03
Und es kommt der Tag, da trittst du vor den großen Kadi und der fragt dich: Warum eigentlich, warum eigentlich hast du nur so wenige umgebracht?
Eigentlich hab' ich gar kein umgebracht, denk ich, zumindest nicht persönlich, mag sein des Sarah Vockelütz..., aber lassen wir das.
Jedenfalls am Ende von allem, ist das schon eine situationsbezogen pikante Frage, weshalb mir dazu zuerst auch gar nix einfällt.
Ist das ein Kriterium um hier einzuziehen?, frag ich. Palmsonntag ist lang vorbei, hier zieht keiner mehr ein.
Achxo. Ich dachte.
Das denken alle. Aber nun also, weshalb so wenige?
Naja, also erstens war da mein Vater und dann traf ich diesen Latschenschriefer von der Kirche und als ich mit den Jungs halbwegs klar war, hab ich plötzlich Geld verdient und dann war am Schluss auch noch Grete Kransger, die mir immer morgens so schön das Schwänzchen gewaschen und auffen Bauch gedrückt hat, so halt.
Da war also nicht mal ein Gedanke?
Daran einen so...krrrk?
Ne so Schmatz, du Depp, natürlich KRRK.
Ja, nein, schon ja, nein manchmal eben so wie jeder, so.
Jeder wohnt hier aber nicht!!! Nicht?, na ja mir würd schon alle paar Jahrzehnte ein Erinnerungsbier reichen. Hier trinkt auch keiner Bier!!! Wie kein Bier? ist das nur irdisch? Vollkommen irdisch. Hier gibt's nur das Paradies!!!
(Murmelt, das muss ja ein Paradies sein.) Das hab ich genau gehört! und jetzt sag endlich, warum so wenige?
Heavy Metal.
Heavy Metal?
Genau, Heavy Metal. Motörhead! Motörhead! Motörhead! und sowas halt.
Heavy Metal ist eine aggressive, frauenverachtenden, minderheitenverachtende, menschenverachtende, Rechteverachtende und sogar Linkeverachtende Aneinanderreihung von...3 Akkorden!
Jip. Eine Kettensäge hat nur einen Akkord. Da sind 3 doch schon was. The ace of spades, the ace of spades.
Kreuz sticht!
Ich weiß und das ist ja auch gut so.
fohlenelf11 - 28. Mär, 16:16
Es ist nicht zu stoppen.
Gerald Hostgedöns bricht als erstem eine Träne über die Wange als er am 28.11. völlig unerwartet Divin' Home for X-mas im Radio hört. Romantisch, vertraut und mal ehrlich: Who can't wait to see those faces.
Ihm ist es einerlei, denn weit weg von zu Haus, mitten im Leben voller Saus und Braus, ist der Nordpol näher als ein echtes Weihnachten und der Südpol ihm Wärmer als alle familiäre Herzlichkeit.
Hostgedöns ist stimmungsverankerter Zyniker, was lediglich bedeutet, dass er stets in Stimmung ist zynisch zu sein und wenn darin nur ein Funken Sarkasmus liegt, who cares for Christ's sake. Ja, wo ist der denn nun wieder überhaupt, denkt er mit der Schachtel unterm Arm die er bei Hannelore Kostnütz im ersten Versuch zustellt.
Die Frau gibt ein gutes Trinkgeld, was mindestens drei Wochen zu früh kommt, ähnlich wie dieser Rea-Song, doch vielleicht bekommt sie in ihrem Alter nicht mehr soviele Schachteln.
Die Wochen drehen sich rund ums Fest und spätestens bei Do they know it's X-mas time ist Hostgedöns Afrika so Scheißegal wie die kostenfreie Nummer von ein Herz für Kinder an deren Ende Arthur Abraham mit sanfter Stimme über'n Kiefer schiebt.
Nebenan verhungert ein Kind und das Bier ist auch schon wieder alle.
Glaub doch mal nicht, dass dem Hostgedöns nur irgendeiner die Zeit für Mitleid gibt, mittendrin in Weihnachten dreht sich die Welt ums Schenken und Barmherzigkeit und 4,50 Euro die Stunde für`s Schachteln austragen. Und nu kommst du mit deine 5 Euro im Monat für eine vernüftige Schulbildung und fragst mich, den Hostgedöns, wer dann für dich jeden Tag die 20 Kilometer hin und 20 Kilometer zurück zum Wasserloch läuft.
Na jedenfalls, Hostgedöns macht Träume wahr und trägt nicht nur die Schachteln aus, nein er fährt an Weihnachten sogar nach Haus.
Und wenn schon mal jemand die feuchtglänzenden weit aufgerissenen Augen still verlassener Mütter an Weihnachten gesehen hat, wie ihre alternden Söhne halbbucklig und mit letzter Schaffenskraft über die Schwelle kriechen, der wird wissen, was mit Weihnachten eigentlich gemeint ist.
Hostgedöns hat wenig Pflichten im Jahr außer: 1...2...3...9...24...66...128...436...und 1057: Immer pünktlich sein.
Zu Hause, Heimat, Home sweet home und es könnte alles so schön, heimelig und wunderbar sein, wenn neben der Erwartung nicht die Erwartungshaltung wäre.
Hostgedöns nämlich sollte, so als erster Sohn, zur rechten von dem Vadder sitzen. Das lief schon von immer an und Anfang schief, denn traditionell sitzt er nur zur linken und nämlich ganz zum Herzen hin. Das bringt so manchen auf die Palme und nötigt zu so gutem Streit unter dem symmetrisch geschmückten Christbaum, der nicht brennen darf, weil Naturkerzen ihn entzünden könnten.
Drunter liegt ein Schwank aus seiner Jugend und die Hoffnung das die richtigen Hände das einmal auspacken.
Hostgedöns könnte das jetzt abkürzen und sich nach de ersten Bäuerchen in sein Auto setzen und wie im Kamin verraucht verschwinden. Doch Hostegdöns wär kein Hostgedöns, wenn er nicht jede Gelegenheit so Ernst nehmen würde, dass ein wahrlich ehrhaft ausgefochtener Streit das höchste und größe Zeichen von Zuneigung und Liebe auf der ganzen weiten Welt wär. Frei nach der Weisheit: Die hau'n sich auf die Fresse und lassen sich leben. Da steckt noch echt was dahinter.
Und so wartet er Hostgedöns zum 37. mal auf ein Weihnachten, wie es im Buche steht, irgendwo und wenn er es kriegte vielleicht würd er seinen Sohn sogar Lukas nennen, wenn er denn, der Hostgedöns einen bekommen könnte.
Aber davon wird unterm Weihnachtsbaum keiner reden und unbarmeherzig gibt es genug, was man sich vorwerfen kann.
Das muss wohl Liebe sein.
fohlenelf11 - 19. Dez, 17:20
Es ist am Vormittag vor Advent dem ersten von vieren. Hein Osterdiek sitzt in seinem Stammlokal Brachiale Esche und kippt sich ordentlich einen hinter die Binde, als vollkommen aufgelöst der westkosovoische und getaufte Spargelstecher Piodrag Pladenov durch die Tür bricht, direkt bis zum Tresen vorstößt und mit erhobenen Fingern zwei Gedecke fordert, wie es unter guten Menschen bestellt und andernorts nicht gekannt wird: Ein Korn, ein Bier, nich lang schnacken kopp in Nacken und weil er sich gleich zwei bestellt, trinkt er doppelt auf die Welt.
Doch nein: Piodrag - was auf bulgarisch "Bastler", auf westkosovoisch aber "Sohn einer Mutter die nicht basteln konnte und deshalb mit einem Handwerker ins Bett stieg", heißt - war nicht danach der Welt zuzuprosten. Sein Samstag war vorbei, bevor er richtig begonnen hatte und das kam wie immer so:
Vor dem Laden des Autohändlers C&A...wunderbar hängte gerade der Auszubildende Hennes Schnaber das Agebot des Tages: Wuchten, Deckeln, Draufziehen 14.90 Euro raus, als Piodrag Pladenov mit seinem Auto in Alameinbraun metallic quietschenden Reifens vor der Werkstatt auftauchte.
Lässig ließ er nochmals den Anlasser über die Nockenwelle springen bevor er mit einem galanten Schwung aus den Rennsportsocken-Sicherheitsgurten selbstinstalliert-tüv geprüft "Fester Halt" aus dem Hause Gurtig schlüpfte und die Tür mit einem Stoß in die Stellung brachte, die ihm erlaubt eine galante Stiefelspitze auf den regenfeuchten Asphalt zu setzen. Piodrag wußte was er wollte. " Wo is Meister?" rief er zu Hennes herüber, der schon auf dem Weg in die Werkstatt war. "Ey, du. Wo Meister" jetzt verstand Hennes und wies auf die kleine Baracke mit blassgrauen Anstrich aus Ölfarbe.
Piodrag schob die Hände in die Hosentaschen und stiefelte etwas zu lässig auf die braunbebretterte Pausenbude zu. "Ey, du bist Meister!" Machst du Angebot für neue Reife auf alte Felge und gibst du mich gute Preis?"
"Das dauert aber heute", sagt der Meister.
" Ey wieso dauer? Isse keiner auf Hof ausser mir!" ´"Heut ist nicht Montag, da machen wir nur Terminaufträge. Heute keine Reifenwechsel!"
"Ja, isse da keine Schild da draußen Wuchten, Deckeln, Draufziehen 14.90 Euro?" Der Meister blickte mürrisch Richtung Straße. "Das ist erst für Montag. Haben wir heut nur mal so schon ma rausgestellt."
"Kannst du nix machen, das da hinstellen und dann nix arbeite. Da steht meine kleine Spritzer, musst du mache Winterreife. Ich dich auch mache gute Preis und außerdem brauch ich noch ein Subwoofer. Musse aber nixe neu sein. Ich baue selbst ein."
Der Meister merkte, dass sich Piodrag heute nicht abschütteln ließ. "Hennes hast du noch den gebrauchten Subwoofer aus dem alten Transit rumliegen!?" "Fahr schon mal inne Werkstatt" bedeutete der Meister dem guten Piodrag.
Piodrag drehte den Anlasser geschmeidig dreimal über die rotierende Nockenwelle das es kreischte und fuhr lässig in die offene Werkstatt.
"Machst du gute Preis Winterpuschen? und machst du gute Preis Subwoofer? machst du billig, gut und schnell?"
"Unterschreib mal da den Auftrag und dann gehst du nen Kaffe trinken und in ner halbe Stunde kommst du wieder." "Alles klar Chef" unterschrieb Piodrag den Auftrag und wandte sich lächelnd einem Kaffee in der Glitzerwelt des Verkaufraums von C&A...wunderbar zu.
Eine halbe Stunde gucken auf den Arsch von Sofia Krahnske später.
"Isse fertig meine kleine Spritzer?" Jo is fertig. Bezahl mal die Rechnung und dann kannste losfahrn."
C&A...wunderbar
Ihre Rechnung
4 Felgen 13 Zöller Stahl a 40 Euro
4 Reifen Winter Marke Krokant a 25 Euro
Wuchten, Deckeln, Aufziehen 14.90 Euro
Sommerreifen in Kofferraum legen 14.90 Euro
Subwoofer gebraucht, kabellos 184 Euro
Macht 472.80 Euro zzgl. Mehrwertsteuer
Wir danken für Ihren Auftrag
Ihr wunderbar Team
Piodrag: Wasse, dasse? Wasse, dass?
Meister: Was?
Piodrag: Dasse?
Meister: Na, Ihre Rechnung!
Piodrag: Ne!
Meister: Doch!
Piodrag: Zahle nixe!
Meister: Das ist doch alles was sie wollten. Am Samstag, billig und schnell.
Piodrag: Abe isse 13 Zöller?
Meister: Ja unser Qualitätsreifen "Rollwiderstand" zu einem Toppreis.
Piodrag: Ja, abe isse nix gut für mein Spritzer.
Meister: Die Felge ist top in Ordnung und der Reifen ist erst eine Saison auf nem alten Seat Marbella gelaufen.
Piodrag: Bisse verrückte. Das is nix gud für Spritzer. Isse alles Scheisse. Grosse Scheisse.
Meister: Aber sie haben den Auftrag doch selbst unterschrieben.
Piodrag: Unterschrieben. Ich nix geschrieben 13 Zöller. Ich nur 20 Zöller auf Spritzer, wie sonst spritzen auch in Winter und nur das beste, aber immer billig.
Meister: Eben, das beste und billig. Übrigens der Lehrjung sagt du musst den Subwoofer noch aus den alten Transit ausbauen. Das kost sonst extra.
Piodrag: Ja spinns du jetzt total oder was. Sin ja gleiche Methode wie von Spargelbauer. Ich zahl nix und jetzt gibs du mit die Schlüssel von mein Schüssel.
Meister: 472.80 plus Märchensteuer und dann gibst die Schlüssel.
Piodrag: I bring di um. I hau di weg.
Meister: Hennes! hols mal die Gesellen ausse Werkstatt! Der hier will nich zahlen!
Piodrag: Ey ne du keine Gewalt, keine Gewalt. Ich will nur mein Spritzer. Hier hassu dein Geld.
Meister: Bei fünfhundert ist das Trinkgeld wohl drin und jetzt hau ab hier und lass dich hier nie mehr blicken.
"Hey Piodrag", grinst der Hein Osterdiek den völlig konsternierten Spargelstecher an. "Haste jetzt Stützräder auf dein 10 Zylinder" Das war zuviel für Piodrag. Wutentbrannt rannte er in das nächste Internetcafé und schrieb sein erse von 136 E-Mails an den Kundenservice von sein Alameinbraun metallicfarbenen Flitzer genannt Spritzer:
Hallo,
mein Nam ist Piodrag Pladenov. Ihr Ärsche. Schweine....Grosse Unglück...Hilfe
Und wenn er nicht gestorben ist, dann schreibgt er uns morgen schon wieder.
fohlenelf11 - 3. Dez, 19:32
München in Bayern.
Wie Uli Hoeness in seiner Funktion als stellvertretender Geschäftsführer der Stadion GmbH In und Ums Parkhaus heute verlautbarte, wird der große und ruhmreiche, unerreichte und unvergleichliche FC Bayern ganz neue Wege gehen. Hoeness kündigte ein Novum in der Bundesliga an und wird mit dieser Ankündigung nicht nur Applaus ernten.
Hoeness zum Grünwalder Gassenblattl:
Über Jahre haben wir sie jetzt alle geholt, all die Rrrriberrys, Tonis, die Demichelisses und die Santa Cruzens. Da investierst du viel Geld und Geduld und stehst am Ende noch mit leeren Händen da, weil es einfach keine Garantie gibt auf Erfolg. Da kannst du dir als Uli Hoeness die Nächte um die Ohren schlagen, auch ein großer, ruhmreicher, unerreichter, unvergleichlicher FC Bayern kann keine Titel vorhersagen.
Wie kann es denn dann nun weitergehen zwischen Weischwurscht Schirckeria und Saunaclub 12
Wir als FC Bayern müssen den Anspruch haben, immer an der Spitze zu stehen und finanziell stehen wir ja auch schon an der Spitze und in der Bundesliga sowieso und in Europa wollen wir wieder an der Spitze stehen und werden das auch. Aber dazu sind noch größere Anstrengungen nötig und ob wir da nun noch einen Drogba einen Ronaldinho oder einen Mourinho holen, ist dazu völlig egal.
Mourinho? Muss Ottmar Hitzfeld gehen.
Also eins will ich Ihnen Scheißjournalisten mit ihrer scheißsensationsgeilen Objektivität mal sagen. Der Ottmar, also der Ottmar, der OTTMAR ist ein Freund, ein guter Freund und das gibt es in diesem Geschäft verdammt selten und als erstes sprechen wir mit dem Ottmar und wenn ich mich da mal auf dem Weg nach Frankfurt bei einem zufälligen Zwischenstopp in Porto mit irgendwem treffe oder nicht spielt hier mal gar keine Rolle.
Sie sagten der FC Bayern will als Tabellenführer endlich zurück in die Erfolgsspur.
Man muss sich mal überlegen wieviel wir als FC Bayern in all die Pizarros, Mihajlovicses, McInallys, El Trens, diese Wegmannsssssisch, Labbadias, Schatzschneiders und Rizzibizzis investiert haben und wofür? Am Ende zählt doch nur der Wille, wie man gestern in Bremen doch wieder gesehen hat.
Eine Mannschaft...?
Genau aber eine Mannschaft braucht unterstützung und mit dieser Kühlschrankstimmung in der Allianzarena ist jetzt Schluss! Noch heute machen wir Nägel mit Köpfen und treffen uns mit einigen Fanclubs.
Der Schickeria?
Schmarr'n Bremer Fanclubs, Dortmunder Fanclus, Schalker Fanclubs, Mainzer Fanclubs und ich könnte hier noch viele mehr aufzählen. Wir kaufen jetzt nach Laustärke ein. Stellen sie sich einmal vor, sie kommen da in ein Stadion, also so ein richtiges Stadion wie die Allianzarena und dann fangen da plötzlich welche an zu singen. Weil sie glauben. Weil sie an die Mannschaft glauben! Wir als FC Bayern werden beides haben volle Logen und volle Ränge und das werden wir uns jetzt richtig was kosten lassen. 20 000 Mitgleider von FanClubs und Ihre Familien werden wir in direkter Nähe zur Arena ansiedeln. Kurze Wege zum Spiel, freier Eintritt und ein motivierendes Grundgehalt. Und dann laufen wir hier nicht mehr mit den Podolskis, Überschweinsteigers, Lells und Ottls auf, da kaufen wir uns unsern Kader in Burghausen zusammen. Das reicht für die Spitze.
Sie glauben die Leute kommen zum FC Bayern um Fußball zu gucken?
Ja was glauben sie denn. Die Leute lechzen doch danach. Nur weil wir hier im Stadium die schönste Aussicht auf ein Windrad und die beste Bratwurst der Liga haben, nur deshalb kommen die ja nicht. Die Leute wollen ja unterhalten werden. Da müssen wir als FC Bayern wieder hinkommen und da werden wir hinkommen und dann wird gesungen, geschunkelt und gelacht.
Herr Hoeness wir danken für das Gespräch.
fohlenelf11 - 29. Nov, 10:30